Die Entwicklung der Katze

(übernommen mit Erlaubnis der Verfasserin A. Kesselring)

Die Trächtigkeit der Katze beträgt normalerweise 63 Tage, das sind 3 bis 7 Tage mehr als bei der Felis sylvestris lybica, der angenommenen Stammform unserer Katze. Das Geburtsgewicht liegt bei 3 % des Erwachsenengewichts, ca. 100 bis 110 g.

Das Gewicht des Hirns beträgt ca. 20 % seines endgültigen Gewichts, dieses ist mit ca. 12 Wochen erreicht. Der Tastsinn ist schon beim Embryo im Alter von etwa 24 Tagen entwickelt. Am 54. Tag der Trächtigkeit entwickelt sich der vestibuläre (gleichgewichthaltende) Stell-Reflex (bewirkt die Rückführung des Körpers aus einer veränderten Lage in die Normallage).

Bei der Geburt sind die Augen geschlossen, der Hörsinn ist sehr schlecht entwickelt. Im Alter von 24 Stunden kann das Kätzchen Temperaturen auseinanderhalten. Das Riechvermögen ist schon bei der Geburt vorhanden und ist meistens in der dritten Lebenswoche voll entwickelt.

Im Alter von 5 Tagen reagieren die Tiere deutlich auf Geräusche, ab der zweiten Lebenswoche reagiert es gerichtet auf natürliche Geräusche und bereits in der 4. Woche funktioniert die Orientierung durch das Gehör wie bei einer erwachsenen Katze. Die Augen öffnen die Kätzchen im Alter von 7 bis 10 Tagen, manchmal allerdings schon am zweiten oder erst nach dem 16. Tag.

Die ererbten Anlagen des Vaters

sind die am meisten ins Gewicht fallenden Faktoren.

Kätzchen, die im Dunkeln gehalten werden, öffnen die Augen früher als unter normalen Lichtverhältnissen, weibliche öffnen sie früher als männliche und die Jungen von älteren Müttern öffnen sie später als die von jungen Müttern. Die Wurfgröße hat keinen Einfluß auf den Zeitpunkt des Augenöffnens.

Es dauert ca. 2 bis 3 Tage, bis die Augen vollständig geöffnet sind. Die Sehschärfe wird zwischen der zweiten und zehnten Lebenswoche um das 16fache gesteigert. Mit drei Wochen erkennen die Welpen ihre Mutter und können sich ab dem 15. bis 25. Tag mit Hilfe des Sehvermögens orientieren. Das Umgehen von Hindernissen und das visuell gesteuerte Aufsetzen der Pfötchen funktioniert erst ab dem 25. bis 35. Tag. Die Augenflüssigkeit wird mit etwa 5 Wochen ganz klar, die Sehschärfe verbessert sich noch bis zum dritten oder vierten Monat.

Bereits Neugeborene können den Körper aufrichten, im Alter von 4 Wochen ist diese Fähigkeit voll ausgebildet.

In den ersten beiden Lebenswochen bewegen sich die Kätzchen wenig, sie zeigen lediglich langsame, rudernde Beinbewegungen. Die ersten Gehversuche beginnen in der dritten Woche, ab dem 28. Tag können sie sich vom Nest entfernen, mit 5 Wochen versuchen sie zu rennen, bereits mit 6 bis 7 Wochen benutzen sie alle Arten der Fortbewegung.

Das geordnete Zusammenspiel der Beine entwickelt sich in den ersten beiden Lebensmonaten, allerdings ist schon zur Zeit der Geburt eine zentralgesteuerte Reaktion vorhanden, ebenso eine Reaktion zur Bewegung der Pfoten auf einen Tastreiz.

Im Alter von 21 Tagen beginnen die Jungtiere, ihre Körpertemperatur zu regulieren, mit 7 Wochen ist diese Fähigkeit voll entwickelt.

Ende der zweiten Lebenswoche bekommen die Welpen die ersten Zähne, mit ca. 15 Wochen werden die Milchzähne gegen die bleibenden Zähne gewechselt.

Während der ersten drei Lebenswochen ist ausnehmend die Mutterkatze für die Ernährung der Kätzchen zuständig. Die Initiative zum säugen geht in dieser Zeit immer von der Mutterkatze aus.

Freilebende Katzenmütter bringen ihren Jungen bereits in der 4. Lebenswoche lebende Beute, die die Kleinen schon mit 5 Wochen selbst töten können.

Etwa ab der 5. bis 6. Lebenswoche können die Kätzchen Kot- und Urinabsatz kontrollieren.

Mit 7 Wochen ist die Entwöhnungsphase fast abgeschlossen. Je fortgeschrittener der Entwöhnungsprozeß ist, desto öfter geht die Initiative zum saugen von den Jungen aus und die Mutterkatze versucht sich dem mehr und mehr zu entziehen.

Interessant ist, daß Kätzchen bis zu einem Alter von 21 Tagen in derselben Weise von einer Katze mit Milch saugen, wie von einer Katze ohne Milch, d.h. der Milchfluß ist weder für die Auslösung noch für die Aufrechterhaltung des saugens ausschlaggebend.

Ab der dritten Woche zeigt sich ohne Milchfluß eine verkürzte Dauer des saugens, die Häufigkeit bleibt jedoch gleich. Daraus ist zu schließen, daß das saugen - unabhängig vom Milchfluß - für die Kätzchen immer befriedigend ist.

Jungtiere aus mutterloser Aufzucht können zwar an der Flasche saugen, versagen aber, wenn man sie an das Gesäuge einer stillenden Katze legt, weil sie unfähig sind, sich sozial richtig zu verhalten.

Entfernt man die Jungtiere viel zu früh von der Mutter (ab der 2. Woche), kommt es zu einer Reihe von abnormen Eigenschaften sowohl verhaltensmäßig als auch psychisch. Es wurden sogar in einigen Fällen asthmaähnliche Erscheinungen beobachtet.

Ab dem 39. Tag sind die Kätzchen in der Lage, sich im freien Fall zu drehen und auf allen vier Pfoten zu landen.

Das soziale Spiel beginnt mit der 4. Lebenswoche und läßt ab der 12. bis 14. Woche wieder nach. Ab der 7. bis 8. Woche beginnt das Spiel mit leblosen Gegenständen.

Im Verlauf des zweiten Lebensmonats entwickelt sich die Veranlagung zur defensiven Abwehr großen Beutetieren gegenüber, allerdings reagieren die Jungtiere schon mit 6 bis 8 Wochen wie ausgewachsene Katzen auf soziale Drohsignale.

Nach neuen Erkenntnissen ist jedoch keine spielerische Erfahrung notwendig, um das Beutefangverhalten zu entfalten.

Katzen, die in ihren ersten Lebenswochen keinen Kontakt zu Beutetieren und keine Möglichkeit zum spielen hatten, sind genauso gute Jäger wie ihre Artgenossen, die normal aufgewachsen sind.

Mit sieben (Kater) bis 12 (Katzen) Monaten sind die Tiere dann geschlechtsreif. Dieses ist gleichzeitig der richtige Zeitpunkt für die Kastration, wobei darauf zu achten ist, daß das Mindestgewicht ca. 3 kg beträgt.

Wenn man seine Welpen

- oder der frischgebackene Katzenbesitzer sein Jungtier -

genau beobachtet, kann man/er feststellen,

daß viele der hier aufgeführten Fähigkeiten gut zu beobachten sind.

Allerdings sollte man seine Jungtiere nicht von der Tischkante schubsen, um festzustellen, ob sie sich schon im freien Fall drehen können, denn dieses könnte bös' ins Auge gehen, da es bei den Katzen wie bei den Menschen Früh- und Spätzünder gibt und die angegebenen Altersangaben Durchschnittswerte sind.